Die Bürgerinitiative TW Schutterwald nimmt mit großer Verwunderung zur Kenntnis, dass Vertreter der am Projekt beteiligten Unternehmen öffentlich erneut den Eindruck erwecken, der Standort westlich der A5 sei lediglich eine „Rückfalllösung“. Nach unserer Einschätzung entspricht dies nicht der Realität und ist als Versuch zu werten; die Bevölkerung zu beschwichtigen, ohne tragfähige Alternativen tatsächlich zu verfolgen.
Zur Erinnerung: Den Auftakt der Debatte bildete die Ankündigung der Gemeinde Hohberg, eine Fläche von 23 Hektar für ein Tübbingwerk bereitzustellen. In den bislang vorliegenden Unterlagen, Skizzen und Präsentationen findet sich jedoch ausschließlich ein Standort westlich der A5 – in direkter Nachbarschaft zu Schutterwald-Höfen. Im zuletzt geführten Gespräch mit Vertretern der Industrie, der Gemeinden und der Bürgerinitiative wurde erstmals eine verkleinerte Variante mit 8,4 Hektar für Werk und Lagerfläche genannt.
Doch damit nicht genug: Zusätzlich sind in den bekannten Planungsunterlagen weitere sogenannte „Vorhalteflächen“ für Lagerung von Aushub in einer Größenordnung von weiteren rund 8 Hektar ausgewiesen. Das Konsortium äußerte im Gespräch zwar den Wunsch, diese Flächen „möglichst“ auf das Areal des geplanten Verladebahnhofs der Bahn zu verlagern – eine entsprechende Abstimmung mit der Deutschen Bahn gibt es jedoch nach eigenen Angaben bislang nicht. Es besteht keinerlei verlässliche Aussage, dass dieser Wunsch jemals Realität wird. Statt belastbarer Fakten werden hypothetische Annahmen in den Raum gestellt – getreu dem Motto: „Wünsch dir was“.
Ernsthafte Planungen für einen alternativen Standort („Plan A“) östlich der Autobahn wurden bislang zu keinen Zeitpunkt dokumentiert oder belegt. Im Gegenteil: Es existieren keinerlei Unterlagen, Skizzen oder Darstellungen, die der Bürgerinitiative, der Öffentlichkeit oder auch nur den kommunalen Gremien eine solche Planung nachvollziehbar machen würden. Auch im erwähnten Gespräch wurden ausschließlich Visualisierungen des westlichen Standorts gezeigt. Die Behauptung, ein Werk östlich der Autobahn sei der bevorzugte Standort, entbehrt bislang jeder Substanz.
Auch die Entfernungsangaben. Sie gaben die 800 m wieder, sind kritisch zu hinterfragen. Im Gespräch mit uns wurde betont, das geplante Werk westlich der Autobahn würde sich in „rund 650 Metern Entfernung“ zu Höfen befinden. Diese Zahl soll offenbar beruhigend wirken – doch sie greift zu kurz. Zum einen ist unklar, von welchem Punkt in Höfen und zu welchem Punkt des geplanten Areals diese Distanz gemessen wird. Zum anderen wird dabei außer Acht gelassen, das Emissionen wie Lärm, Licht oder Staub keine Luftlinien kennen.
Hinzu kommt: Lagerflächen, Fahrstraßen, Materialumschlag und Betonmischanlagen erzeugen nicht nur punktuelle, sondern flächige Belastungen, die weit über das eigentliche Werkgelände hinaus wirken können. Der Versuch, die Betroffenheit der Bevölkerung durch isolierte Zahlen zu relativieren, wirkt daher aus unserer Sicht weniger wie eine nüchterne Information als vielmehr wie eine Verharmlosung.
Für die Bürgerinnen und Bürger in Höfen bleibt entscheidend: Nicht die exakte Luftlinienentfernung zählt, sondern die tatsächliche Belastung durch Betrieb, Transporte und Nebeneffekte – und die wäre in unmittelbarer Nachbarschaft zu Höfen spürbar vorhanden.
Vor diesem Hintergrund bleibt festzuhalten:
Der Standort westlich der A5 wird faktisch vorbereitet, auch wenn öffentlich von „Plan B“ gesprochen wird. Die Gesamtfläche der Werk und Lager summiert sich auf bis zu 16 Hektar und die Lagerflächenverlagerung auf Bahnareale ist bislang Wunschdenken. Die Kommunikation der Projektverantwortlichen ist widersprüchlich, unkorrekt und wenig glaubwürdig.
Die Bürgerinitiative fordert daher erneut und mit Nachdruck:
Einen sofortigen Verzicht auf den Standort westlich der Autobahn.
Die transparente Offenlegung aller bisher geprüften Standorte – auch und gerade östlich der A5.
Eine ehrlich Bestandsaufnahme der Flächenbedarfe inklusive Lager- und Verkehrsflächen.
Verlässliche Aussagen zur Abstimmung mit der Deutschen Bahn und der Flächenverfügbarkeit für eine mögliche Verlagerung.
Die ernsthafte Prüfung alternativen, ortsferner Standorte mit entsprechender Anbindung und geringer Belastung für Anwohnerinnen und Anwohner.
Wir sagen erneut: Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein Tübbingwerk. Aber wir sind gegen eine Planung, die intransparente Methoden, verschwiegene Flächenbedarfe und mutmaßlich vollendete Tatsachen miteinander kombiniert. Wer die regionale Wertschöpfung ernst meint, muss sich auch der Verantwortung gegenüber den betroffenen Menschen vor Ort stellen – und darf nicht über ihre Köpfe hinweg planen.
Die Menschen in Höfen verdienen eine ehrliche, nachvollziehbare und faire Beteiligung – nicht nur wohlklingende Erklärungen ohne Substanz.
